In den vergangenen Wochen bin ich alle meiner gedruckten oder handschriftlichen Studienunterlagen (Reader, Thesenpapiere, Notizblätter etc.) seit Oktober 2004 durchgegangen, um für meine Masterarbeit verwertbares Material auszusortieren. Das hat lange gedauert. Einige wertvolle Fundstücke, kann ich direkt verwenden, weil ich mich teilweise überrascht gut an sie erinnere. Das war mir den Aufwand wert. Gleichzeitig möchte ich seit Beginn diesen Jahres meine elektronischen Dokumente auswerten. Dazu gehört Literatur, die ich speziell für die Masterarbeit vor Monaten von diversen Publikationsservern bezogen hatte und bis heute nicht lesen konnte. Jetzt zeichnet sich ab, dass ich das nicht schaffe.
Ich lösche momentan reihenweise Dokumente aus meinem Fachbereich, die mich interessieren, dich ich realistisch betrachtet aber nie adäquat durcharbeiten oder auswerten kann. Allein im vergangenen Sommer habe ich circa 100 Dokumente von Sage Publishing geladen, solange das noch legal möglich war. Damals wollte ich mir nicht die Zeit nehmen, mir nach der Kategorien- und Titelsuche auch noch die Zusammenfassungen durchzulesen. Nun, ziemlich genau ein Jahr später, musste ich das alles durcharbeiten. Es war viel Brauchbares dabei. Vieles aber habe ich gelöscht, auch Dokumente, bei denen mir das Herz blutet, wie zum Beispiel “An Exploratory Study of the Effects of Frequency and Duration of Messaging on Impression Development in Computer-Mediated Communication”. Den inneren Vorwurf “Das hätte doch sicher mal interessant sein können! Was ist mit der Zeit nach der Masterarbeit?” unterdrücke ich. Ich bemerke aber, dass ich es im Unterschied zu den ausgedruckten Unterlagenstapeln beim papierlosen Arbeiten nicht sehe, wenn ich jahrelang Informationen anhäufe, die ich in absehbarer Zeit nicht bewältigen kann.
Die Idee ist nicht von mir: Eine lohnenswerte Problemstellung für ein Seminar, das auf das Forschungsprojekt i-literacy passt, könnte lauten: Wir sammeln heute an der Hochschule und im Beruf mehr Wissen, als wir jemals im Kopf behalten können. Wie systematisieren wir es computergestützt so, dass wir es selbst immer wieder auffinden und unseren Partnern in Projektgruppen vermitteln können? Wie verhindern wir, uns mit papierlosen Informationen selbst zu überwältigen, ohne es zu bemerken?
Foto: sxc.hu | Jean Scheijen
Am 23. und 24. Juni 2009 findet die jährlichen Hochschulwahl an der Universität Augsburg statt. Die immatrikulierten Studierenden wählen ihre Studierendenvertreter im studentischen Konvent, in den Fachschaftsvertretungen (häufig StuRa genannt) und in der erweiterten Universitätsleitung. Die Wahlbeteiligung ist traditionell gering, was ich bedauerlich finde. Von Seiten der Hochschulgruppen begegnen mir in in diesem Zusammenhang seit Jahren immer wieder ähnliche Deutungsmuster, woran das liege: zu wenig Werbeplakate. Was nicht stimmt, so meine ich.
Es liegt nicht am Umfang der Öffentlichkeitsarbeit. Wer in der Zeit des Wahlkampfs mindestens einmal über den Campus läuft, wird den Gesichtern der Kandidaten auf den überall geklebten Plakaten nicht entgehen. Jeder weiß, dass Hochschulwahl ist, daran liegt die geringe Wahlbeteiligung nicht. Es liegt meiner Ansicht nach daran, dass die Hochschulgruppen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit in den langen Monaten zwischen den Wahlen an der Universität zu wenig präsent sind. Warum unbekannte Gesichter wählen, die alle zwölf Monate einmal kurz um Aufmerksamkeit buhlen, um danach für den Rest der Legislaturperiode in der Versenkung zu verschwinden? Warum man doch wählen sollte, möchte ich kurz ausführen. Weiterlesen »
Gustave Le Bons Werk von 1896 ist voller Generalisierungen und vager Stereotypen, trotzdem ist es ein lesenswertes Buch. Die nach meinem Wissensstand erste Auseinandersetzung mit der Psychologie von größeren Menschenansammlungen zeichnet den damaligen Zeitgeist nach mit einer faszinierenden Mischung aus auch für die heutige Zeit relevanten, scharfsinnigen Beobachtungen und von Vorurteilen geprägten Tiraden. Letztere machen richtig Lust darauf, nachzulesen, wie Le Bons durch wiederkehrende Bezüge, Beispiele und Anekdoten aufgestellten Thesen mittlerweile widerlegt wurden.
Zunächst sind es die wilden, niederen Eigenschaften, die Le Bon generalisierend den Massen in beständiger Wiederholung zuschreibt: Triebhaftigkeit (impulsivité), Reizbarkeit (irritabilité), Unfähigkeit zum logischen Denken, Mangel an Urteil und kritischem Geist, Überschwand der Gefühle (exagération des sentiments). Er begründet nicht, außer durch Anekdoten, er postuliert den außerordentlichen geistigen Tiefstand der Massen einfach. Absurd erscheint zudem heute wohl der Glaube Le Bons an eine Ansteckung von Meinungen und Geisteskrankheiten durch Gedankenübertragung in der Masse. Ich kann mir gut vorstellen, dass man im 19. Jahrhundert ansteckende Gedanken als Erklärungen für die Ausbreitung von Massenpaniken in Analogie zur Ausbreitung von Krankheiten plausibel fand. Eher unheimlich dagegen ist die beständige Betonung einer Notwendigkeit der Steuerung der Massen durch starke Führerpersönlichkeiten und der übergeordneten Bedeutung einer das Verhalten und Denken prägenden Rassenseele, die durch das Ergbgut auf die Körper der Menschen quasi eingeschrieben sei.
Der Verdienst Le Bons indes besteht darin, darauf hinzuweisen, dass wir in der Masse oft intellektuell und gefühlsmäßig gebunden sind, während wir uns kritisch und frei fühlen, wenn wir mitgenommen werden von der Massenbewegung, als anonymes Individuum vom Gesamtwillen mitgerissen in der Masse aufgehen und in Konsequenz als Masse denken und handeln. Für mich besonders relevant ist seine Betrachtung der Berichterstattung in den Medien, auf die er kurz in den späteren Kapiteln des Werks eingeht. Le Bon zeigt schon relativ früh, dass nicht Tatsachen die Gemüter der Bevölkerung erregen, sondern die Stärke eines sichtbaren Reizes: Ein Einsturz des Eifelturms mit 50 Toten wird als Katastrophe empfunden, während eine Influenza-Epidemie in Paris mit 5000 schleichenden, lediglich statistisch erfassten Toten keine Aufregung produziert. Diese Irrationalitäten bestehen auch heute noch.
Nach Sandra, Tami und Gabi (chronologische Reihenfolge) möchte nun auch ich auf den aktuellen Call for Papers für die w.e.b.Square-Themenausgabe zu sozialen Netzwerken hinweisen. Das ist der erste öffentliche Aufruf zu Einreichungen, seitdem die Plattform Ende 2006 ins Netz ging. Die ursprüngliche Konzeption von w.e.b.Square sah damals eine zeitunabhängige Möglichkeit der Einreichung von Beiträgen durch Studierende vor. Es kristallisierte sich aber im Laufe der Zeit heraus, dass sich die Ziele der Plattform organisatorisch effizienter mit regelmäßigen Ausgaben als mit individuellen Einreichungen umsetzen lassen. In den Online-Publikationen bündelt die Redaktion von w.e.b.Square die besten Beiträge von Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitern der Universität Augsburg zu einem festgelegten Themengebiet. Wer nach Themen für Abschlussarbeiten sucht, sich von der Struktur und dem Inhalt von sehr guten und sehr gut benoteten Einreichungen inspirieren lassen möchte oder Einblicke in das wissenschaftliche Publizieren gewinnen will, der wird auf w.e.b.Square fündig. Die Beiträge stammen derzeit in der überwiegenden Zahl der Fälle aus den Einrichtungen des Instituts für Medien und Bildungstechnologie. Wenn w.e.b.Square weiterhin erfolgreich läuft und mehr Menschen auf das Angebot aufmerksam werden, könnte sich das in naher Zukunft ändern.
Über eine Verbreitung des Aufrufs zur Einreichung von Beiträgen zur Themenausgabe “Soziale Netzwerke” würde ich mich deshalb freuen. Die Einsendefrist läuft bis zum 15. Juli 2009. Wer noch immatrikuliert ist und einmal die Perspektive eines (studentischen) Gutachters kennenlernen möchte, ist zusätzlich herzlich eingeladen, an der Begutachtung der Beiträge mitzuwirken. Bei Interesse genügt eine kurze E-Mail an Sandra Hofhues von der Chefredaktion von w.e.b.Square.