Die Verwaltung der Universität muss diese Woche noch einen achtzig Seiten langen Abschlussbericht zur Hochschulwahl schreiben, deshalb verzögert sich die Bekanntgabe der Ergebnisse. Klar ist mittlerweile aus einer inoffiziellen Prognose, dass die Liberale Hochschulgruppe die Wahl gewonnen hat. In der Wahl der 14 direkt zu wählenden Vertreter im studentischen Konvent erreicht sie voraussichtlich über 50 Prozent der abgegebenen Stimmen. In der Wahl des studentischen Vertreters in der Erweiterten Universitätsleitung setzte sich ebenfalls ein Kandidat der LHG durch: Norbert Restel wird in der kommenden Legislaturperiode die Interessen der Studierenden kompetent und auf gleicher Augenhöhe mit den Professoren im wichtigsten Gremium der Universitätsleitung vertreten. Wie zu erwarten war, bin ich selbst auf dem vorletzten Listenplatz der LHG nicht in den Konvent eingezogen. Gespannt bin ich darauf, wie viele direkte Stimmen ich erhalte habe.
Mich erreichte als Vertreter des AStA ein Anliegen von einem Studierenden der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät zur Briefwahl an der Universität Augsburg. Er beantragte direkt nach Erhalt des neuen Studentenausweises und der Wahlbenachrichtigung im Februar die Briefwahl. Die Unterlagen erhielt er am Samstag, den 20. Juni 2009 mit einem Portostempel vom 16. Juni. Den Eingang der Unterlagen drei Tage vor der Wahl am 23. Juni hält er für sehr kurz.
Ich habe mich deshalb mit der Studentenkanzlei in Verbindung gesetzt. Sie teilte mir mit, der Versand der Briefwahlunterlagen richte sich nach einem durch gesetzliche Grundlagen vorgegebenen Zeitplan. Danach war erst ab dem 15. Juni die Möglichkeit gegeben, die Briefwahlunterlagen zu versenden. Am 16. Juni wurden dann auch alle Briefwahlunterlagen versandt. Ein Versenden der Unterlagen vor dem 15. Juni sei nicht möglich, auf die Beförderungszeiten der Post habe die Universität keinen Einfluss.
Unabhängig davon, ob es eine gesetzliche Vorgabe ist, halte ich ein Zeitfenster für die Briefwahl von neun Tagen vor der Wahl ebenfalls für zu kurz. Wer in der Woche der Wahl nicht die Unterlagen an seiner Heimatadresse in Empfang nehmen kann, dem bleibt die Teilnahme an der Wahl verwehrt. Das führt den Sinn der Briefwahl ad absurdum. Zum Vergleich: In der letzten Europawahl betrug das Zeitfenster drei Wochen. Im Rahmen der wöchentlichen AStA-Sitzung diskutierten wir, was wir in dieser Angelegenheit etwas unternehmen können.
Wir einigten uns darauf, dass der AStA-Vorsitz noch einmal in der Verwaltung vorstellig wird, um den Rahmen der gesetzlichen Vorgaben zu besprechen. Weiterhin habe ich noch einmal vom AStA-Öffentlichkeitsreferat die Studierendenvertretung kontaktiert, weil wir Lieferzeiten der Briefwahlunterlagen von fünf Tagen nicht für zumutbar halten. Nach unseren Informationen sammelt der jetzige Vertragspartner die Versandartikel der Universität zunächst, bis genügend für eine Auslieferung zusammen sind. Verzögerungen der Briefwahl kommen unserer Vermutung nach dadurch zustande. Für die Briefwahl benötigt man daher ein anderes Verfahren.
Da YouTube der Gegenstand meiner Masterarbeit ist, lese ich gerade Fachliteratur zu dem Videoportal. Es gibt für mein Forschungsinteresse eine Reihe von Artikeln und Tagesbeiträgen, ein Kapitel in einem Sammelwerk, aber keine umfangreichen Studien. Zur Ökonomie der Aufmerksamkeit auf YouTube habe ich gerade eine Diplomarbeit der Universität der Künste zu Berlin ausgewertet. Marie von dem Berge erfasst in “Aufmerksamkeit im YouTube-System” aus dem Jahr 2007 mittels Regressanalysen die Bestimmungsgrößen von Aufmerksamkeit für professionelle Videos und Beiträge von Amateuren über einen Zeitraum bis 14 Tagen nach der Einstellung in die Plattform.
Mit der Ökonomie der Aufmerksamkeit im theoretischen Teil war ich schon ganz gut vertraut, einschlägige Publikationen dazu habe ich im Februar gelesen. Das Kapitel zu Sichtweisen auf das Phänomen Aufmerksamkeit ist mir in diesem Zusammenhang etwas zu referierend ausgefallen. Ich vermute außerdem, dass einige Zitate aus zweiter Hand einem Sammelband entnommen und dann mit Verweis auf die Originalquellen zitiert wurden. Mir fiel das auf, weil ich den betreffenden Sammelband selbst schon exzerpiert habe und die Aussagenstruktur dort wiederfinde. Im Vergleich dazu finde ich das Kapitel zu akkumulierter Aufmerksamkeit und ihre Bedeutung in den Medien überzeugend; Hier ist der Anteil eigener Reflexionen wesentlich ausgeprägter.
Im praktischen Teil werden quantitative Indikatoren von Aufmerksamkeit im Internet fokussiert – Klicks. Im Rahmen der Arbeit wird aus nachvollziehbaren Gründen die qualitative Dimension von Aufmerksamkeit nicht berücksichtigt – Beziehung. Die Ergebnisse liefern ein recht aufschlussreiches Bild von den Aufmerksamkeitsakkumulationsprozessen auf YouTube. Die endogenen und exogenen Faktoren dieser Operationalisierung sind auf jeden Fall einen Blick wert, wenn man sich mit der systematische Analyse von Videoportalen beschäftigt. Für meine Masterarbeit wichtig ist der Befund, dass der Faktor “Diskussionspotenzial”, der sich über die Anzahl der Kommentare entwickelt, zwar anfänglich für die Anzahl der Klicks von hoher Bedeutung ist, für die Akkumulation von Aufmerksamkeit längerfristig jedoch keine Bedeutung hat.
Foto: sxc.hu | Michal Zacharzewski
Man versteht “The Stories of Facebook, YouTube and MySpace” besser, wenn man das Schlagwort “Web 1.0″ während dem Lesen aus seinen Gedanken verbannt. Bis zum Platzen der New Economy-Blase im Jahr 2001 hatte sich ein anderer Begriff durchgesetzt: Dotcom. Die Entäuschung über das kataklysmische Ende der Dotcom-Ära war so niederschmetternd, dass es von 2001 bis 2005 nicht danach aussah, als würde je wieder jemand große Summen in Geschäftsmodelle im Internet investieren. Doch seit dem Aufkommen des Web 2.0-Hype ab 2005 sprudeln die Geldquellen wieder. MySpace von Tom Anderson und Chris DeWolfe wurde bereits von NewsCorp. für 580 Millionen US-Dollar übernommen. Die Summe von 1,65 Milliarden verwandelte die YouTube-Gründer Chad Hurley und Steve Chen bei der Übernahme durch Google für kurze Zeit in glückstrunkene, kichernde Kinder. Mark Zuckerberg von Facebook hat währenddessen bisher alle Angebote ausgeschlagen. Der Wert seines ursprünglich für eine Handvoll amerikanischer Colleges konzipierten sozialen Netzwerks wird mittlerweile auf über 12 Milliarden geschätzt. Haben wir es mit einer Wiederholung der Blase von 2001 zu tun? Weiterlesen »
Seit dem vergangenen Wochenende versuchte ich, die Online-Befragung für meine Masterarbeit für den Pretest vorzubereiten. Das Konzept war bereits fertig, Nina hatte freundlicherweise bereits ein umfangreiches Feedback zur Methodik und zur Frageformulierung eingebracht. Eigentlich hätte das Einstellen in den Umfrage-Server des Instituts für Medien und Bildungstechnologie im Anschluss höchstens einen Tag dauern sollen. Wegen technischer Probleme verzögerte sich der Vorgang leider über eine Woche. Am Sonntag vor einer Woche konnte ich zumindest feststellen, dass die Probleme an Programmierfehlern des PHP Surveyor lagen und nicht an der Konstruktion meines Fragebogens.
Im Laufe der Woche erhielt ich von Alex eine Freischaltung für die neue Version des Umfrage-Servers. Ich begann damit, die Befragung komplett von vorne in das System einzupflegen, der Import sorgte nämlich für größere Probleme. Die neue Version, Lime Survey, läuft zwar stabiler als PHP Surveyor. Sie erlaubte in der installierten Version Englisch allerdings nur als alternative, separat anzulegende Option neben Deutsch. Das hätte bedeutet, die die Fragen vollständig ins Deutsche zu übersetzen. Das hätte auch bedeutet, den Pretest noch einmal eine Woche zu verschieben.
Ich habe mich dann gestern in einem Kraftakt noch einmal an PHP Surveyor gesetzt. Ich löschte alle Bedingungen aus Filterfragen und konfigurierte sie einzeln neu. Wenn Fragen dann nicht in der Vorschau auftauchten, habe ich mich nicht gescheut, Fragen wieder zu löschen und ebenfalls erneut einzutippen. Durch kleine Arbeitsschritte und akribisches Testen von jedem einzelnen davon habe ich es dann tatsächlich geschafft, eine funktionsfähige Version der Online-Befragung in das System zu zwingen. Das war ein schönes Erfolgserlebnis nach den ganzen Problemen. Der Pretest läuft seit gestern Abend. Ich bin gespannt, was meine Probanden noch so alles finden.
Grafik: sxc.hu | Svilen Mushkatov
Heute ist er vorbei, der Bildungsstreik 2009. Nach meinem Eindruck haben die bundesweiten Demonstrationen und Veranstaltungen problematische Aspekte des gesamten Bologna-Prozess überraschend doch in die Wahrnehmung der politischen Öffentlichkeit bringen können. Berichtet wird zwar eher über aus dem Zusammenhang gerissene Forderungen (“Die Studierenden sind gegen Studiengebühren”) oder über inszenierte Ereignisse (“Schüler und Studierende stürmen Augsburger Rathaus”), in manchen Berichten ist jedoch tatsächlich durchgeschlagen, worum es den Beteiligten im Bildungsstreik ging.
Ja, worum ging es eigentlich? Laut dem Aufruf der Organisatoren um Kritik an den europaweiten Umstrukturierungen des Bildungssystems im Rahmen des Bologna-Prozesses, um die damit verbundenen, grassierenden Probleme und um die Diskussion einer Reform der Reform. In Augsburg sollte eine dreiteilige Vortragsreihe diese Thematik differenziert beleuchten. Es referierten Sarina Schäfer vom Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (FZS), Prof. Dr. Gerhard Stapelfeldt vom Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Hamburg und Torsten Bultmann vom Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi). Die Reihe wurde veranstaltet vom Aktionsbündnis für freie Bildung (Contra).
Ich habe mir die drei Vorträge angehört. Die gemeinsame Botschaft war klar: Das Ziel, die Reformen bis 2010 abzuschließen, kann nicht mehr erreicht werden. Das Thema wird uns als Gesellschaft damit noch längere Zeit beschäftigen. Wichtig dabei ist: Bologna ist eine Absichtserklärung, dem Prozess haftet nichts Zwingendes an. Er ist weder unumgänglich, noch wird er in einem anderen Land so restriktiv interpretiert wie in Deutschland. Möglicherweise wird nun über eine Reform der Reform nachgedacht werden müssen. Warum? Einige der Thesen von zwei der drei Referenten dazu habe ich mir notiert zur späteren Reflexion. Weiterlesen »
In der OPUS-Datenbank der Universität Augsburg ist seit heute Arbeitsbericht 24 des Instituts für Medien und Bildungstechnologie abrufbar. i-literacy ist ein im Rahmen des DFG-Projekts „Aufbau eines IT-Servicezentrums“ entwickeltes Modell, das dazu beitragen soll, die überfachliche Informationskompetenz von Studierenden auf ein hohes akademisches Niveau zu bringen, ihre Leistungen im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens zu unterstützen und sie mit diesen Fertigkeiten gut vorbereitet in das Berufsleben zu entlassen.
Der Beitrag von Nina Heinze und mir bildet die bisherige Laufzeit des Projekts in Form eines Überblicks ab. Angefangen bei didaktischen und theoretischen Grundannahmen, über Bedürfnisanalysen mittels Befragungen und Beobachtungen unter Studierenden, zeigt er die Entwicklung des Modells als lernförderliche Infrastruktur, seine Implementierung in einem gestaffelten Aufbau mit technischen, organisationalen und kulturellen Säulen bis hin zu weiteren Entwicklungspotenzialen für eine Ausweitung des Projekts auf andere Hochschuleinrichtungen und zu Plänen der Weiterentwicklung von i-literacy als Open Educational Resource.
Gestern traf die Rückmeldung des Organisationskomitees der 14. Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) ein. Der Beitrag “Integration einer lernförderlichen Infrastruktur zur Schaffung neuer Lernkulturen im Hochschulstudium” von Nina Heinze und mir zum Project i-literacy wurde von den GutachterInnen im oberen Drittel der Einreichungen angenommen. Jetzt gilt es, die Vorschläge aus den Gutachten in eine finale Version einzuarbeiten, die im Tagungsband der GMW ’09 im Waxmann Verlag veröffentlicht werden wird. Im September werde ich dann im Rahmen der Tagung unseren Beitrag an der Freien Universität Berlin vorstellen.
Besonders gefreut hat mich ein Gutachten, bei dem ich sehr deutlich merke, dass sich die Autorin oder der Autor eingehend mit dem Text auseinandergesetzt hat. Das Fazit zu unserem Beitrag fällt positiv aus, gleichzeitig liefert das Gutachten wertvolle Hinweise, was bis zur endgültigen Deadline an dem Text noch verbessert werden kann. Wir konnten anscheinend das Interesse der Gutachter wecken. Das mache ich daran fest, dass die Nachricht mit dem Vorschlag schließt, eine Evaluation von i-literacy durchzuführen und die Ergebnisse im Rahmen der GMW-Tagung im nächsten Jahr zu präsentieren. Momentan konzentrieren wir uns auf den Ausbau der Online-Ressource und die Verankerung des Angebots an der Hochschule, aber vielleicht klappt es mit der Evaluation im nächsten Jahr.

In einem Vortrag anlässlich des 100. Jubiläums des Magazins “The Progressive” in Madison, Wisconsin spricht Howard Zinn über gerechte Kriege. Der Historiker und Politikwissenschaftler ist vor allem für seinen Bestseller “A People’s History of the United States” bekannt. Als Bomberpilot im Zweiten Weltkrieg führte er seinen Befehle im Glauben an den Sinn das allgemein als notwendig und gut akzeptierten Krieges aus. Als er kurz nach dem erfolgreichen Abschluss seiner letzten Mission mit den Folgen der Bomben auf Tokio, Hiroshima und Nagasaki konfrontierte wurde, begann er über die Opfer seiner eigenen Bomben nachzudenken und über die Vorstellungen, die ihn zum Glauben an den gerechten Krieg geführt hatten.
Zinn adressiert in seinem Vortrag drei heilige Kriege der USA. Er meint damit nicht religiöse Kriege, sondern sakrosankte, also solche, die man nicht kritisieren darf, weil sie gerecht gewesen seien. Für ihn sind dies der amerikanische Unabhängigkeitskrieg, der Sezessionskrieg und der Zweite Weltkrieg. Wider die Unantastbarkeit fordert er einen kritischen, sorgfältig prüfenden Blick auf als gerecht idealisierte und romantisierte Kriege ein. Er fordert den Mut ein, Kriege zu kritisieren, die jeder als unkritisierbar akzeptiert hat. Zinn tut dies auf der Basis der Unterscheidung zwischen der gerechten Sache und dem gerechten Krieg. Weiterlesen »