Archiv des Monats vom Juli, 2009

Jan

Unsere transhumane Zukunft

RoboterEs ist schon einige Jahre her, da besuchte ich ein Seminar aus dem Fachbereich Philosophie über die Zukunft von Information. Es ging neben Themen wie Informationsethik um die Begrenztheit im Umgang mit Information von uns Menschen selbst. In unsere Köpfe passen nicht unendlich viele Informationen. Alles, was wir erschließen, müssen wir uns mühsam erarbeiten und längst nicht alles, was wir aufnehmen, können wir in unser individuelles Orientierungssystem aufnehmen. Im Laufe des Seminars kamen wir einmal auf Ansätze des Transhumanismus zu sprechen. Es geht um die Veränderung beziehungsweise Verbesserung des Menschen mit Hilfe von Technik, wie etwa die Steigerung der Speicherfähigkeit seines Gehirns durch Implantate. Weil mir die Diskussion über diese Ansätze damals zu schnell wieder vorbei war, lese ich heute gerne über unsere vielleicht gar nicht mehr ferne transhumane Zukunft. Weiterlesen »

StMWFKNach der Stellungnahme von Staatsminister Heubisch zum Bildungsstreik und der mäßig zufriedenstellenden Bologna-Konferenz von Bundesministerin Schavan äußern sich nun das Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft Forschung und Kunst, die Universität Bayern e. V. und die Hochschule Bayern e. V. in einer gemeinsamen Presseerklärung zu notwendigen Anpassungen des Bologna-Prozesses. Die klare Aussage, das Änderungen angestrebt werden, sowie das Angebot, die Perspektive der Studierenden zu berücksichtigen, sehe ich als erfreulichen Erfolg des Bildungsstreiks 2009. Es bleibt abzuwarten, was sich aus den Gesprächen ergibt. Aber immerhin nun wird nun endlich offen darüber diskutiert, was ohnehin seit längerer Zeit klar ist: Die Reform muss reformiert werden.

Hinter wohlklingender Rhetorik wie “Kompetenzorientierung”, “adäquate Beratungsangebote”, “sachgerechte Studienorganisation” sowie “zügiges und zielorientiertes” Angehen von Problemen stehen dann hoffentlich irgendwann konkrete Maßnahmen. Und hier sehe ich schon den ersten Gesprächsbedarf: Die techno-bürokratische Intensivierung von Akkreditierungsverfahren und Ausweitung von Qualitätsmanagement, wie in der Pressemitteilung propagiert, empfinde ich nicht als Lösung, sondern ironischerweise als die Ursache der Probleme. Ich verweise auf die kürzliche Vortragsreihe zum Bologna-Prozess an der Universität Augsburg und die lesenswerten Berichte von Gabi Reinmann über die Akkreditierungsmisere.

Jan

Der Olymp-AStA

AStAIn seiner konstituierenden Sitzung wählte der studentische Konvent gestern die wichtigsten Positionen im AStA. Wie sich zeigte, schlägt sich das Wahlergebnis in deren Verteilung nieder: Die Liberale Hochschulgruppe (47,56 Prozent) übernimmt drei der fünf aus dem Konvent zu besetzenden Plätze, die beiden übrigen gehen an Vertreter der Fachschaft Jura. Das ist eine Revolution im AStA. Nachdem mehrere Jahre lang die Studierendenvertretung stets mehrheitlich mit Vertretern aus den philosophischen oder philologischen Fakultäten besetzt war, bildet deren Spitze nun ab dem Wintersemester 2008/2009 ein Quintett aus Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern. Das bringt möglicherweise Konflikte mit sich.

Der Campus der Universität Augsburg ist in der Wahrnehmung vieler Studierender zweigeteilt. Im Tal befinden sich ältere Gebäude, in denen die beiden Phil-Fakultäten untergebracht sind. Auf einem Hügel sind neuere, hellere und schönere Einrichtungen gebaut. Dort befinden sich Fakultäten für Jura und Wirtschaftswissenschaften. Der Hügel wird unter den Studierenden “Olymp” genannt, weil man an der besseren Ausstattung sehen kann, welche Fachbereiche die höhere gesellschaftliche Anerkennung besitzen.

War der AStA früher lange in der Hand von Studierenden aus dem Tal, haben nun Studierende vom Olymp den AStA übernommen. Darin liegt schon die erste Herausforderung des neuen Olymp-AStA: den Studierenden im Tal zu zeigen, dass sie nicht abgehoben über ihnen schweben, sondern sich auch für den Rest der Studierendenschaft engagieren.

Flinke FingerIn den vergangenen drei Tagen habe ich nach längerer Bearbeitungszeit eine kleine Studie zu Politically Incorrect News mit dem Titel “Enfant terrible der deutschen Blogosphäre” fertig gestellt. Eingereicht habe ich den Text am Lehrstuhl für Soziologie der Universität Augsburg als Seminararbeit, vom Aufwand her war es aber mehr eine Bachelorarbeit. PI-News zählt seit geraumer Zeit zu den am häufigsten verlinkten Weblogs der deutschsprachigen Blogosphäre. Seine Urheber verstehen sich als alternatives Nachrichtenangebot zum publizistischen Mainstream. Inhaltlich positionieren sie sich für die Positionen der USA und Israels, für das Grundgesetz der Bundesrepublik und für Menschenrechte. Bekannt ist das Gruppenblog aber vor allem für Positionen, die seine Redaktion als islamkritisch, Kritiker als islamophobisch bezeichnen. Als Medien-Watchblog setzen sich die Autoren mit Inhalten und Formaten der ihrer Ansicht nach weitgehend gleichgeschalteten Medienangebote auseinander – lauter eigener Angabe nach Morddrohungen heute von Servern im Ausland aus und meist unter Pseudonymen. Weiterlesen »

Jan

Der User als Betatester

JobmixerJobmixer ist eine seit Anfang diesen Jahres bestehende Online-Application zur Verwaltung von Bewerbungsunterlagen. Ich habe mich dort im Juni registriert, weil ich momentan wieder Bewerbungen für die Zeit nach meinem Masterstudium schreibe. Nach meinen bisherigen Erfahrungen kann ich sagen: Jobmixer ist ziemlich praktisch. Unterlagen lassen sich hier zeitgemäß im Internet verwalten und problemlos als PDF exportieren. Die Killer-App könnte die automatisch generierte Bewerberseite sein, die mit jedem Browser aufgerufen werden kann. Aus meiner Sicht benötigt Jobmixer daneben noch weitere Features für die Verwaltung des Lebenslaufs: Publikationen, Vorträge, ein umfangreicheres Modul für ehrenamtliches Engagement sowie individuelle Einstellungen für den PDF-Export.

Trotz der vielversprechendes Basis rate ich derzeit von Jobmixer ab. Das liegt darin begründet, dass ich mich als Betatester empfinde. Auch nach einem längeren Update, während dem die Bearbeitung über eine Woche lang nicht verfügbar war, funktioniert derzeit der Bereich “Zeugnisse” in meinem Fall nicht korrekt. Ich möchte dreizehn auf Jobmixer geladene Dokumente im Bereich “Zeugnisse” meiner Bewerbersite veröffentlichen und es klappt trotz zweier Anfragen beim Support seit Juni nicht. Weiterlesen »

Jan

imb im Finale des Medida Prix

imbWie die Pressestelle der Universität Augsburg vermeldet und auch im e-Denkarium nachzulesen ist, wurde ein Konzept des Instituts für Medien und Bildungstechnologie (imb) zusammen mit neun weiteren Einreichungen für das Finale des Medida Prix ausgewählt. Der Medida Prix ist der mit 100.00 Euro dotierte Preis der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW). Er wird vergeben an wissenschaftliche Einrichtungen, die digitale Medien innovativ und nachhaltig in die Hochschullehre einbinden. Die Nominierung freut mich für das gesamte Team.

Verliehen wird der Preis am 16. September im Rahmen der 14. Jahrestagung der GMW an der FU Berlin. Ich werde zusammen mit einer Gruppe des imb anreisen, das Konzept aber nicht im öffentlichen Hearing vorstellen. In dem eingereichten Dokument “Von der kreativen Idee zur alltagstauglichen Lehr- und Lerninnovation: mediendidaktische Entwicklungsforschung am Augsburger Institut für Medien und Bildungstechnologie” werde ich als Mitarbeiter genannt, mein Beitrag beschränkte sich aber auf Feedback während des umfangreichen Entstehungsprozesses. In der Vorbereitung auf die Tagung konzentriere ich mich stattdessen auf die Präsentation des Beitrags zum Projekt i-literacy.

Jan

Ergebnisse der Hochschulwahl

HochschulwahlWie bei Norbert bereits berichtet liegen die Ergebnisse der Hochschulwahl vom 23. und 24. Mai nun vor. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) stellt die ausführlichen Ergebnisse und eine Zusammenfassung auf seiner Internetpräsenz zur Verfügung. Ich plane bis zum Ende der Woche noch einen kurzen Rückblick auf den Wahlkampf aus meiner Sicht. Bis dahin hier schon einmal mein allgemeiner Kommentar zur Wahl.

Die Liberale Hochschulegruppe (LHG), auf deren Liste ich kandidierte, hat mit 47,56 Prozent der Stimmen für die Wahl der direkt zu wählenden Vertreter im studentischen Konvent ein grandioses Ergebnis eingefahren. Der Wahlgewinner LHG besetzt damit sieben der 14 direkt zu wählenden Sitze. Weitere 14 Sitze werden von jeweils zwei gewählten Vertretern der sieben Fakuläten der Universität gestellt. Zwischen diesen und der LHG bestehen bereits gute Kontakte. Komplettiert wird der 29-köpfige Konvent vom Vertreter in der Erweiterten Universitätsleitung. Wie ich vergangene Woche bereits schrieb, setzte sich auch bei der Wahl für dieses wichtige Amt mit Norbert Restel ein Vertreter der LHG durch.

Die Wahlbeteiligung mit einem Durchschnitt von 18,51 Prozent wirkt niedrig, liegt im bundesweiten Durchschnitt laut Sprecherrat aber im oberen Drittel. Die stärkste Wahlbeteiligung ist in der Katholisch-Theologischen Fakultät mit 33,20 Prozent verzeichnet, während die Philologisch-Historische Fakultät mit 11,67 Prozent das Schlusslicht bildet. Hier kann noch mehr erreicht werden, vor allem durch eine bessere Öffentlichkeitsarbeit durch den neu gewählten studentischen Konvent. Studentische Vertreter haben im Augsburger Modell bayernweit vergleichsweise umfangreiche Mitspracherechte und vor allem ein einzigartiges Vetorecht. Deshalb ist eine Teilnahme an der Wahl sinnvoll. Das muss auch so vermittelt werden.

w.e.b.SquareÜber den noch bis zum 15. Juli laufenden Call for Papers zum Themenheft von w.e.b.Square über soziale Netzwerke habe ich bereits berichtet. An der kommenden Ausgabe beteilige ich mich wieder mit einem eigenen Artikel. Darin entwerfe ich ein heuristisches Rahmenmodell über globale Ziele und Ergebnisse von sozialen Netzwerken, ihre technischen Strukturen und ihre humanen Prozesse. In diesem Modell verbinde ich verschiedene Systematisierungs- und Typisierungsansätze kollektiver Nutzeraktivitäten, die ich mir in den letzten Monaten aus der Fachliteratur angeeignet habe. Die Recherche hatte ich bereits im Mai abgeschlossen, aber es dauerte dann doch etwas länger, um den Artikel fertigzustellen. Heute habe ich einige letzte Korrekturen an dem Text vorgenommen und ihn dann zum Peer Review-Verfahren eingesandt. Ich bin gespannt auf die Einschätzung der studentischen Gutachter. Der Artikel erscheint voraussichtlich im Herbst in Ausgabe 04/2009 von w.e.b.Square.

Slender ManIch verfolge seit einigen Tagen einen spannenden Gesprächsfaden in der Online-Community “Something Awful”. Er begann mit dem Vorschlag eines Mitglieds, durch digitale Nachbearbeitung täuschend echte Aufnahmen paranormaler Phänomene zu erzeugen. Unheimliches Bildmaterial dieser Kategorie wird gerne in den Unterhaltungsbereichen von Nachrichtenportalen eingebunden. Es bedient das Interesse ihrer Zielgruppe an urbanen Mythen. Die ursprüngliche Motivation der Community-Mitglieder bestand dem folgend darin, sich gegenseitig zu gruseln und vielleicht sogar einzelne ihrer Arbeitsergebnisse in die Nachrichtenportale einzuschleusen.

Der Gesprächsfaden schlug allerdings schnell in eine neue Richtung um, nachdem ein Mitglied mit dem Pseudonym “Victor Surge” Bilder eines bizarren Schattenmannes beisteuerte (1|2), die er aufgrund der dürren Statur “Slender Man” nannte. Der Slender Man entspricht der mythischen Figur des schwarzen Mannes, der Kinder verschleppt und im Schutz von Nebel oder Dunkelheit auftaucht, häufig im Zusammenhang mit Unglücksfällen. Die Phantasie der Community war geweckt und schon bald verdrängte der Slender Man die vorherige Diskussion – alle Beiträge drehten sich plötzlich um die Figur. Weiterlesen »