Archiv des Monats vom Juli, 2010

Jan

Lemon Amiga

Meine ersten Videospielerfahrungen machte ich auf einem Schneider CPC 464, aber mein Herz gehört bis heute der Amiga-Modellreihe von Commodore. Wer in meinem Freundeskreis damals keine Konsole von Nintendo, Sega oder Atari besaß, auf dessen Schreibtisch thronte meist der legendäre Amiga 500. 1987 veröffentlicht stellte der Tastaturrechner eine preisgünstige Alternative zu größeren Büromaschinen dar. Er verfügte über einen mit 7.14 MHz getakteten Motorola MC68000 Prozessor und war in der Grundversion mit 512Kb RAM-Speicher ausgestattet. Viele rüsteten das elegante Gerät mit einer Erweiterung auf 1Mb RAM auf, was die Ladezeit von Programmen erheblich verringerte und eine höhere Grafikqualität ermöglichte.

Festplatten für den Amiga waren damals kaum verbreitet. Programme tauschten wir auf dem Schulhof auf Disketten. Beinahe jeden Titel konnte man sich über fünf Ecken von irgendjemandem ausleihen oder tauschen. Wer neue Software kaufen wollten, der wickelte sie meistens über Anzeigen in Magazinen ab. Mein Versuch, unsere ständig wachsende Sammlung zu ordnen, stellte sich bald als unmögliches Unterfangen heraus; zu riesig und undurchschaubar war sie geworden. Mit Lemon Amiga entdeckte ich eine Datenbank, mit der eine Ordnung endlich möglich war. Weiterlesen »

Jan

Nähe in der Distanz

Bei den Gesprächen mit meinem Mentor im Rahmen von UniMento ergab sich ein Thema, das mich seit meinem Praktikum in der Burda Media Solutions GmbH im vergangenen Jahr beschäftigte. Damals war ich im Community Management dafür veranwortlich, einen lebhaften Austausch in der Community anzuregen und für eine positive Atmosphäre zu sorgen. Zu der Dialogsteuerung kam die aktive Beteiligung an Diskussionen hinzu. Diese Aufgaben erfordern den Aufbau von Beziehungen zu den aktivsten Nutzern der Community. Nach meinem Gefühl ist die beste Grundlage für solche Beziehungen eine echte Begeisterung für die Community. Ich bin absolut überzeugt davon, dass ein hohes eigenes Interesse und ein ehrlicher Austausch mit den aktivsten Mitgliedern Voraussetzungen sind, um eine Community richtig betreuen zu können. Man merkt, ob ein Community Manager nur seinen Job macht oder ob ihm/ihr die Thematik am Herzen liegt. Der Erfolg liegt in der Nähe zu den Nutzern.

Gleichzeitig erfordert die Beziehung zwischen dem Community Mangement und den Nutzern eine gewisse Distanz. Speziell wenn Konflikte auftreten oder Krisenkommunikation erforderlich wird, müssen Community Manager glaubhaft vermitteln können, ohne den Eindruck zu erwecken, bestimmte Gruppen oder Interessen zu bevorzugen. Mitunter kann es daneben notwendig sein, die Bildung mit Gruppen bestehender Nutzer zu vermeiden, wenn diese neue Nutzer bewusst ausschließen. Immer dieselben Menschen in denselben Diskussionen bedeutet Stagnation; Stagnation bedeutet das Ende der Community. Deshalb muss das Community Management zwischen den Gewohnheiten von bestehender Nutzern und den Interessen neuer Nutzer vermitteln. Darüber hinaus zählen für Community Manager auf einer professionellen Ebene primär Daten wie Page Impressions, Click Through Rates oder User Generated Content. Diese Daten bestimmten den Wert einer Community für Werbepartner. Es sind kühle Zahlen, die über das Fortbestehen der Community entscheiden. Der Erfolg liegt in der Distanz zu den Nutzern.

Community Management ist folglich ein beständiger Spagat zwischen Nähe und Distanz. Die Aufgaben der Community Manager liegen auf einer professionellen Ebene in erster Linie in der Distanz. Aus dieser Distanz heraus mit Offenheit, Ehrlichkeit und sicher auch Begeisterung für die Community eine Nähe in der Distanz zu finden, darin liegt die Herausforderung.

In den vergangenen Tagen habe ich mir einige Gedanken dazu gemacht, wie rasend schnell sich Informationen in sozialen Netzwerken mittlerweile verbreiten und ob Unwahrheiten bei der Weiterleitung überhaupt entdeckt werden. Websites, auf die Meldungen in sozialen Netzwerken verlinken, werden manchmal nur oberflächlich oder überhaupt nicht gelesen. Trotzdem leiten Nutzer die Meldungen weiter – weil sie spannend klingen oder weil sie gerne unter den Ersten sein möchten, die von der Nachricht wussten. Sie klicken unter diesen Umständen bei einer spannenden Überschrift sofort auf “Retweet” oder sie nutzen die Wall in Facebook als Linksammlung für ihre Bekannten und legen dort alles ab, was auf den ersten Blick interessant erscheint.

Entscheidend für den Erfolg einer Botschaft in diesem System ist, ob sie in den ersten 70 Zeichen (SEO-Richtwert für die Anzeige in Suchergebnissen), zum Klick auf die Meldung motiviert oder ob sie in 100 bzw. 26 Zeichen (Twitter-Richtwert, damit noch Platz für Retweets ist bzw. für Indexierung von Tweets in Suchmaschinen) zur Weiterverbreitung anregt. Bei derart kurzen Informationseinheiten ist die Prüfung des Wahrheitsgehalts nur schwer möglich. Für mich heißt das, dass sich Unwahrheiten in sozialen Netzwerken nicht nur leichter verbreiten, sondern ohne ergänzende Informationen nicht aufgedeckt werden können.

Mit den Recherchen zu dieser Thematik stehe ich noch am Anfang. Unterhaltsam und angenehm komprimiert bringen zum Beispiel einige der Beiträge des LPR-Forum Medienzukunft die Thematik auf den Punkt. (An dieser Stelle Danke an Uwe für die Empfehlung.) Forschungspublikationen, die sich fokussiert mit diesem Thema auseinander setzen, habe ich bisher noch keine gefunden. Über Hinweise freue ich mich, das Thema ist spannend!

Foto: sxc.hu | gerard79

Jan

Warum Frieden so schwierig ist

Vor einigen Tagen besuchte ich den Tag der offenen Tür der Universität der Bundeswehr in München. Die Professur für Lehren und Lernen mit Medien präsentierte ihre aktuelle Forschungsarbeit im Bereich Fahrschullehrerausbildung, Schulsport und Grundschule. Daneben besichtigte ich den Campus und besuchte die Rekrutierungsstelle. Den heißen Nachmittag ließ ich im kühlen Audimax der Universität mit einem Vortrag ausklingen. Mich interessierte, wie Prof. Carlo Masala von der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften in seinem Vortrag “Warum ist Frieden so schwierig?” die Rolle der Bundeswehr für den Frieden darstellen würde. Der Grundlagenvortrag orientierte sich an drei Fragen: Was ist Gewalt? Was ist Frieden? Wie ensteht Gewalt und warum ist Frieden deshalb so schwierig?

Masala fasste als Gewalt physische Gewalt in den Blick, nicht strukturelle. Im Hinblick auf Frieden unterschied er zwischen negativem Frieden, der Konfliktursachen nicht auflöst, und positivem Frieden, der einen Friedenschluss mit dem Ziel der Inklusion der beteiligten Konfliktparteien beinhaltet. Ein Beispiel für einen solchen positiven Frieden wäre die Beteiligung der Taliban im afghanischen Parlament.

Die Ursachen, dafür, warum Frieden so schwierig ist, verortet Masala in erster Linie auf der Ebene des internationalen Systems. Im einzelnen Staat darf die Polizei zentral Zwangsgewalt ausüben, um Regelverletzungen zu sanktionieren. Im internationalen System gibt es dagegen keine zentrale Institutation, die Regelverletzungen zwischen Staaten ahndet. Wir akzeptieren deswegen, dass staatliche Kräfte wie die Bundeswehr uns schützen. Die Komplikation dabei ist, dass diese Sicherheit durch Aufrüstung hergestellt wird. Durch die Schaffung der eigenen Sicherheit fühlen sich andere Staaten bedroht. Sie rüsten in der Folge selbst auf. Krieg entsteht in diesem System aus einem Gefühl der Bedrohung, das aus einem Ungleichgewicht der Kräfte entsteht. Frieden resultiert aus einem Gleichgewicht der Kräfte und dem Gefühl, geschützt zu sein.

Dieses Prinzip kennen wir nicht nur im international System, sondern auch in Staaten selbst. Wo die Bürger nicht das Gefühl haben, dass der Staat sie schützen kann, greifen sie zu den Waffen, um sich selbst zu schützen. Ein Beispiel hierfür sind die Bemühungen, die afghanische Polizei und mit das Gefühl des Schutzes durch staatliche Zwangsgewalt wieder aufzubauen.