AStADominik schreibt über ein Banner mit der Aufschrift “Bachelor-Berufsschule”, das Anfang Februar für kurze Zeit am Präsidialgebäude der Universität angebracht war. Dies nimmt er zum Anlass für eine generelle Kritik am Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Sein Beitrag gipfelt in der diffamierenden Behauptung, AStA-Sympathisanten säßen ohnehin nur faul in Studentenkneipen. Dazu möchte ich als Öffentlichkeitsreferent eine Klarstellung vornehmen.

Konvent/Specherrat/AStA unternehmen solche Guerilla-Aktionen nicht, da sie eine Linie konstruktiver Gesprächen mit der Hochschulleitung verfolgen, zweitens würden diese studentischen Zusammenschlüsse im Allgemeinen einen V.i.S.d.P. angeben. Hinter dem Banner vermute ich das Aktionsbündnis für freie Bildung (CONTRA), das unlängst auch die Schilder im Hörsaalzentrum beschädigte,  genaueres ist mir nicht bekannt.

Der AStA der Universität Augsburg scheint durch die fortwährende Proliferation meistens pauschalisierender, häufig auch uninformierter Kritik wie dieser mittlerweile in der Studierendenschaft als Feindbild etabliert zu sein. Es ist immer der eigentlich hochschulpolitisch unbedeutende AStA, weil meines Erachtens 90 Prozent der Studierenden das Augsburger Modell nicht verstehen, weil Konvent und Sprecherrat im Gegensatz zum AStA öffentlich kaum sichtbar sind. Das ist bedauerlich, da dadurch das Engagement der AStA-Referenten, die 6 bis 20 Stunden in der Woche oder mehr in ihre Aktivitäten investieren, oft zu Unrecht schlecht gemacht wird und andererseits die Attraktivität eines ehrenamtlichen Engagements auf der hochschulpolitischen Ebene der Universität weiter sinkt.

Von meiner persönlich Perspektive aus muss ich sagen, dass mich Beiträge wie dieser nachhaltig treffen. Ich bin nicht mit allen Beschlüssen des Konvents oder des Sprecherrates einverstanden, einige Aktionen der letzten Jahre habe ich sogar selbst als schlecht geplant und ausgeführt beurteilt. Es ist nicht konkrete, begründete Kritik, die mich bestürzt.  Es ist dieses über meistens pauschalisierende Kritik artikulierte Feindbild, das den AStA zum Sündenbock für alles macht, was an der Universität Augsburg schief läuft. Uninformiert ist die Kritik immer dann, wenn Aktionen kritisiert werden, die nicht vom AStA organisiert wurden, oder wenn hochschulpolitische Entscheidungen bemängelt werden, die der AStA im Gegensatz zu Konvent und Sprecherrat mangels demokratischer Ermächtigung gar nicht treffen kann.

Ich habe von Oktober 2008 bis Januar 2009 im Schnitt 40 Stunden pro Monat ehrenamtlich in den AStA investiert. Dafür erhalte ich am Ende meiner Amtszeit ein Zeugnis. Der Mythos, dass man für das gewählte Amt im AStA automatisch von den Studiengebühren befreit wird, trifft nicht zu. Ich persönlich kenne niemanden, der für seine Aktivitäten im AStA eine Rückerstattung erhielt. Letztendlich nehme ich meine Aufgaben also aus reinem Altruismus wahr. Dafür werde ich in Personalunion mit dem AStA pauschal kritisiert, angefeindet und beschimpft.

Um vor diesem Eindruck trotzdem weiterzumachen, bedarf es einigen Durchhaltevermögens. Insofern sehe ich mein momentan schon 20 Monate andauerndes Engagement in der Studierendenschaft als wertvolle Übung, um auch unter widrigen Umständen und eher demotivierender Stimmung im Umfeld viel persönliche Energie in Projekte zu stecken. Wenn ich also im Sommersemester 2009  weiterhin Wochenstunden für die Koordination, Pflege, Gestaltung und Bewerbung der AStA-Website aufwende, dann mache ich das, weil ich spüre, dass ich damit etwas erreichen kann. Der Zuspruch kommt dann schon.

3 Antworten to ““Ne, da wird lieber mit Kommilitonen in Studenten-Kneipen gesessen.””

  1. Alexon 17 Feb 2009 at 09:00

    Hallo Jan,
    danke für den Einblick in die schwierige Situation, die das hochschulpolitische Engagement leider erschwert. Es ist gut, dass du dich davon nicht entmutigen lässt.
    Woran könnte es liegen, dass der AStA als Sündenbock herhalten muss? Eventuell gab es in der Vergangenheit einige unglückliche Aktionen…
    Oder es ist vielleicht noch eine intensivere Öffentlichkeitsarbeit gefragt, um die Bedeutung und den Nutzen des AStA sowie den Einsatz der beteiligten Studierenden stärker hervorzuheben.
    Liebe Grüße,
    Alex

  2. Jan-Mathison 17 Feb 2009 at 11:45

    Hallo Alex,
    danke für die aufbauenden Worte. Es gibt eine Reihe von Gründen, die zur Ausbildung dieser toxischen Kultur an der Universität beigetragen haben. Die beiden wichtigsten hast du erkannt: einige wenig erfolgreiche Aktionen und daraus resultierend ein ernsthaftes Imageproblem der Studierendenvertretung. Über die AStA-Website versuchen wir Informationen bereit zu stellen, wobei das Internet eher ein Pull-Medium ist und zur gezielten Ansprache der Studierenden weitere Maßnahmen notwendig sind. Als dritten Hauptgrund mache ich das geringe Wissen über das Augsburger Modell aus; Studierende kennen kaum die Strukturen, deshalb richten sich Beschwerden häufig pauschal an die falsche Adresse, den AStA. Selbst in der letzten imb-Vollversammlung gab es eine Wortmeldung mit Vermutungen, der AStA würde die Studiengebühren zu Ungunsten des MuK-Studiengangs verteilen. Der AStA hat tatsächlich keine politischen Befugnisse. Diese Unwissenheit ist erschreckend.
    Liebe Grüße,
    Jan

  3. [...] meinem letzten Beitrag über die öffentliche Wahrnehmung der Studierendenvertretung der Universität Augsburg habe ich [...]

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