Mit Vergnügen habe ich in den letzten Wochen noch einmal Bastis vor zwei Jahren veröffentlichte Masterarbeit “Interaktivität in Erlebniswelten” gelesen. Mit einem außergewöhnlichen persönlichen Aufwand beschreibt er darin Erlebniswelten als Schöpfung künstlicher oder alternativer Realitäten, welche das intensive Erleben ihrer Besucher zum Ziel haben. Als Vorlage für seine Ausführungen dient ihm dabei vor allem das Konzept des Freizeitparks von Walt Disney Imagineering. Anhand dieses liefert er einen Überblick zu den Modelltypen von Erlebniswelten, vom rumpeligen Rundfahrgeschäft zur aufwändigen Safari in einer simulierten Savanne. Es gelingt ihm ausgesprochen gut, geschichtliche und theoretische Aspekte dieser Attraktionen zu einer anregenden Lektüre zu verbinden. Als zentrales Konzept arbeitet er dabei den Zusammenhang von Kontrolle und Kontrollverlust in Erlebniswelten heraus.
Kontrollverlust impliziert die Frage nach der Selbst- und Fremdbestimmung in einer Erlebniswelt. Besucher eines Freizeitparks geben freiwillig die Kontrolle über ihre Handlungen an die Gestalter des Parks auf: Im Besucherstrom wird man mittels Zäunen, Warteschlangen und Fast-Pass-Tickets gezielt durch die Anlagen geleitet, nach dem Einrasten des Bügels in der Geisterbahn ist man der Attraktion ausgeliefert. Mit diesem Spannungsfeld der ethisch fragwürdigen Beeinflussung von Menschenmassen setzt sich die Arbeit ebenso auseinander wie mit Möglichkeiten, Erlebniswelten über Fahr- und Schaugeschäfte hinaus interaktiver als bislang zu gestalten. Weiterlesen »
Internet Bashing is a form of harsh, hostile attacks on persons or products that often occur among groups of Internet users. In February 2010, I completed my master’s thesis at the University of Augsburg, Germany, which explored its social dynamics. The study sought to uncover the roots behind Internet Bashing – the origin of the phenomenon itself, who the so called Internet Bashers are and what motives drive them to write these things.
Case: In order to uncover the roots behind Internet Bashing, the study focused on a prominent and up-to-date single case: the case of the movie director Uwe Boll, chair of Boll AG, a German company focused on producing and distributing films for an international market. Since his international breakthrough with the film “House of the Dead” in year 2003, film critics have been less than enthusiastic about the prolific filmmaker’s output. The Internet community has latched onto the name “Uwe Boll” and equated it with everything that is wrong with cinema, which in turn made him one of the most antagonized directors among film fans worldwide. It is by far the biggest and most intense case of Internet Bashing one can find today. Based on the high amount of diverse opinions expressed about Uwe Boll in social media on the Internet, it is an ideal case to start with. Weiterlesen »
Es ist gerade einmal vier Wochen her, dass ich meine Masterarbeit im Prüfungsamt der Universität Augsburg abgab. Nun sitze ich schon an der nächsten Abschlussarbeit. Nur diesmal nicht an meiner eigenen, sondern an der einer Freundin. Der Text aus dem Fachbereich Europäische Kulturgeschichte steht kurz vor der Fertigstellung. Meine Aufgabe war es, seine inhaltliche Struktur noch einmal zu prüfen und auf Unklarheiten hinzuweisen.
In meiner Tätigkeit für w.e.b.Square habe ich schon viele Abschlussarbeiten gelesen, die wir in den Ausgaben des Online-Magazins veröffentlichten. Texte von Studierenden aus Fächern ohne Medienbezug habe ich dagegen bisher kaum bearbeitet. Umso interessanter war die Lektüre über das Tafelzeremoniell im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Mir fiel vor allem auf, dass sich der Text deutlich erzählerischer gestaltete, als ich es aus anderen Fachbereichen gewohnt bin. Das ist logisch, geht es doch darum, umfangreiche historische Zusammenhänge anschaulich darzustellen. Interessanterweise ist trotzdem, so habe ich mir sagen lassen, eine möglichst verschachtelte Satzstruktur erwünscht. Unter einigen Lehrenden scheint die Ansicht verbreitet zu sein, ein für den Laien möglichst unverständlicher Text sei ein Qualitätsmerkmal. Diese Disparität zwischen notwendiger Anschaulichkeit und erwünschter Sperrigkeit finde ich bemerkenswert.
Da war ich froh, dass sich die mir vorliegende Arbeit nicht unbedingt an diese Vorgaben hielt. Der Text war nicht nur interessant und fachlich fundiert, sondern auch flüssig zu lesen. Ich habe bis zu den letzten Seiten hin gerne an der Korrektur gearbeitet und so zu einem hoffentlich gelungenen Studienabschluss beitragen können.
Foto: sxc.hu | Guillermo Alvarez
Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation
My master’s thesis on Internet Bashing employed both quantitative and qualitative methods. Phase two of the three phases of the research surveyed a sample of n=155 users of the video sharing website YouTube. Quantitative data from this phase was used to contrast qualitative data from a semi-structured expert interview with Uwe Boll, chairman of Boll AG, and from an archival analysis of n=734 comment pages on YouTube. As the last question of the survey, I implemented an open question: “Is there one last thing you would like to say to the person conducting this survey?” In this blog post, I reply to comments the participants submitted when answering this question. Weiterlesen »
My master’s thesis “Us Against You – Internet Bashing as the group dynamic of public invective targeting the movie director Uwe Boll on the video sharing website YouTube” is finally finished. I evaluated 119 publications since October 2007 and since November 2009, I spent 9 to 12 hours a day on working the thesis. Over the course of three months, I interpreted 15 pages of interview transcript, surveyed 155 participants and analysed 734 documents. This amounted to a study of 98 pages containing 259.000 characters. An additional 58 pages of front pages, indexes and appendices brought the total amount to 166 pages.
This work surpasses anything I have published so far. While I feel pretty confident about the quality of the text, I am curious about the feedback from my examiners at the University of Augsburg. I will post key findings of the study no later than February 22nd, 2010.
Image: sxc.hu | Jean Scheijen
Internet Bashing is a form of harsh, hostile attacks on persons or products that often occur among groups of Internet users. Within the scope of a master thesis, Jan-Mathis Schnurr explores its social dynamics. He is a graduate research assistant at the Institute for Media and Educational Technology, University of Augsburg, Germany. The study seeks to uncover the roots behind Internet Bashing – the origin of the phenomenon itself, who the so called Internet Bashers are and what motives drive them to write these things. Weiterlesen »
Da YouTube der Gegenstand meiner Masterarbeit ist, lese ich gerade Fachliteratur zu dem Videoportal. Es gibt für mein Forschungsinteresse eine Reihe von Artikeln und Tagesbeiträgen, ein Kapitel in einem Sammelwerk, aber keine umfangreichen Studien. Zur Ökonomie der Aufmerksamkeit auf YouTube habe ich gerade eine Diplomarbeit der Universität der Künste zu Berlin ausgewertet. Marie von dem Berge erfasst in “Aufmerksamkeit im YouTube-System” aus dem Jahr 2007 mittels Regressanalysen die Bestimmungsgrößen von Aufmerksamkeit für professionelle Videos und Beiträge von Amateuren über einen Zeitraum bis 14 Tagen nach der Einstellung in die Plattform.
Mit der Ökonomie der Aufmerksamkeit im theoretischen Teil war ich schon ganz gut vertraut, einschlägige Publikationen dazu habe ich im Februar gelesen. Das Kapitel zu Sichtweisen auf das Phänomen Aufmerksamkeit ist mir in diesem Zusammenhang etwas zu referierend ausgefallen. Ich vermute außerdem, dass einige Zitate aus zweiter Hand einem Sammelband entnommen und dann mit Verweis auf die Originalquellen zitiert wurden. Mir fiel das auf, weil ich den betreffenden Sammelband selbst schon exzerpiert habe und die Aussagenstruktur dort wiederfinde. Im Vergleich dazu finde ich das Kapitel zu akkumulierter Aufmerksamkeit und ihre Bedeutung in den Medien überzeugend; Hier ist der Anteil eigener Reflexionen wesentlich ausgeprägter.
Im praktischen Teil werden quantitative Indikatoren von Aufmerksamkeit im Internet fokussiert – Klicks. Im Rahmen der Arbeit wird aus nachvollziehbaren Gründen die qualitative Dimension von Aufmerksamkeit nicht berücksichtigt – Beziehung. Die Ergebnisse liefern ein recht aufschlussreiches Bild von den Aufmerksamkeitsakkumulationsprozessen auf YouTube. Die endogenen und exogenen Faktoren dieser Operationalisierung sind auf jeden Fall einen Blick wert, wenn man sich mit der systematische Analyse von Videoportalen beschäftigt. Für meine Masterarbeit wichtig ist der Befund, dass der Faktor “Diskussionspotenzial”, der sich über die Anzahl der Kommentare entwickelt, zwar anfänglich für die Anzahl der Klicks von hoher Bedeutung ist, für die Akkumulation von Aufmerksamkeit längerfristig jedoch keine Bedeutung hat.
Foto: sxc.hu | Michal Zacharzewski
Seit dem vergangenen Wochenende versuchte ich, die Online-Befragung für meine Masterarbeit für den Pretest vorzubereiten. Das Konzept war bereits fertig, Nina hatte freundlicherweise bereits ein umfangreiches Feedback zur Methodik und zur Frageformulierung eingebracht. Eigentlich hätte das Einstellen in den Umfrage-Server des Instituts für Medien und Bildungstechnologie im Anschluss höchstens einen Tag dauern sollen. Wegen technischer Probleme verzögerte sich der Vorgang leider über eine Woche. Am Sonntag vor einer Woche konnte ich zumindest feststellen, dass die Probleme an Programmierfehlern des PHP Surveyor lagen und nicht an der Konstruktion meines Fragebogens.
Im Laufe der Woche erhielt ich von Alex eine Freischaltung für die neue Version des Umfrage-Servers. Ich begann damit, die Befragung komplett von vorne in das System einzupflegen, der Import sorgte nämlich für größere Probleme. Die neue Version, Lime Survey, läuft zwar stabiler als PHP Surveyor. Sie erlaubte in der installierten Version Englisch allerdings nur als alternative, separat anzulegende Option neben Deutsch. Das hätte bedeutet, die die Fragen vollständig ins Deutsche zu übersetzen. Das hätte auch bedeutet, den Pretest noch einmal eine Woche zu verschieben.
Ich habe mich dann gestern in einem Kraftakt noch einmal an PHP Surveyor gesetzt. Ich löschte alle Bedingungen aus Filterfragen und konfigurierte sie einzeln neu. Wenn Fragen dann nicht in der Vorschau auftauchten, habe ich mich nicht gescheut, Fragen wieder zu löschen und ebenfalls erneut einzutippen. Durch kleine Arbeitsschritte und akribisches Testen von jedem einzelnen davon habe ich es dann tatsächlich geschafft, eine funktionsfähige Version der Online-Befragung in das System zu zwingen. Das war ein schönes Erfolgserlebnis nach den ganzen Problemen. Der Pretest läuft seit gestern Abend. Ich bin gespannt, was meine Probanden noch so alles finden.
Grafik: sxc.hu | Svilen Mushkatov
In den vergangenen Wochen bin ich alle meiner gedruckten oder handschriftlichen Studienunterlagen (Reader, Thesenpapiere, Notizblätter etc.) seit Oktober 2004 durchgegangen, um für meine Masterarbeit verwertbares Material auszusortieren. Das hat lange gedauert. Einige wertvolle Fundstücke, kann ich direkt verwenden, weil ich mich teilweise überrascht gut an sie erinnere. Das war mir den Aufwand wert. Gleichzeitig möchte ich seit Beginn diesen Jahres meine elektronischen Dokumente auswerten. Dazu gehört Literatur, die ich speziell für die Masterarbeit vor Monaten von diversen Publikationsservern bezogen hatte und bis heute nicht lesen konnte. Jetzt zeichnet sich ab, dass ich das nicht schaffe.
Ich lösche momentan reihenweise Dokumente aus meinem Fachbereich, die mich interessieren, dich ich realistisch betrachtet aber nie adäquat durcharbeiten oder auswerten kann. Allein im vergangenen Sommer habe ich circa 100 Dokumente von Sage Publishing geladen, solange das noch legal möglich war. Damals wollte ich mir nicht die Zeit nehmen, mir nach der Kategorien- und Titelsuche auch noch die Zusammenfassungen durchzulesen. Nun, ziemlich genau ein Jahr später, musste ich das alles durcharbeiten. Es war viel Brauchbares dabei. Vieles aber habe ich gelöscht, auch Dokumente, bei denen mir das Herz blutet, wie zum Beispiel “An Exploratory Study of the Effects of Frequency and Duration of Messaging on Impression Development in Computer-Mediated Communication”. Den inneren Vorwurf “Das hätte doch sicher mal interessant sein können! Was ist mit der Zeit nach der Masterarbeit?” unterdrücke ich. Ich bemerke aber, dass ich es im Unterschied zu den ausgedruckten Unterlagenstapeln beim papierlosen Arbeiten nicht sehe, wenn ich jahrelang Informationen anhäufe, die ich in absehbarer Zeit nicht bewältigen kann.
Die Idee ist nicht von mir: Eine lohnenswerte Problemstellung für ein Seminar, das auf das Forschungsprojekt i-literacy passt, könnte lauten: Wir sammeln heute an der Hochschule und im Beruf mehr Wissen, als wir jemals im Kopf behalten können. Wie systematisieren wir es computergestützt so, dass wir es selbst immer wieder auffinden und unseren Partnern in Projektgruppen vermitteln können? Wie verhindern wir, uns mit papierlosen Informationen selbst zu überwältigen, ohne es zu bemerken?
Foto: sxc.hu | Jean Scheijen
Am 23. und 24. Juni 2009 findet die jährlichen Hochschulwahl an der Universität Augsburg statt. Die immatrikulierten Studierenden wählen ihre Studierendenvertreter im studentischen Konvent, in den Fachschaftsvertretungen (häufig StuRa genannt) und in der erweiterten Universitätsleitung. Die Wahlbeteiligung ist traditionell gering, was ich bedauerlich finde. Von Seiten der Hochschulgruppen begegnen mir in in diesem Zusammenhang seit Jahren immer wieder ähnliche Deutungsmuster, woran das liege: zu wenig Werbeplakate. Was nicht stimmt, so meine ich.
Es liegt nicht am Umfang der Öffentlichkeitsarbeit. Wer in der Zeit des Wahlkampfs mindestens einmal über den Campus läuft, wird den Gesichtern der Kandidaten auf den überall geklebten Plakaten nicht entgehen. Jeder weiß, dass Hochschulwahl ist, daran liegt die geringe Wahlbeteiligung nicht. Es liegt meiner Ansicht nach daran, dass die Hochschulgruppen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit in den langen Monaten zwischen den Wahlen an der Universität zu wenig präsent sind. Warum unbekannte Gesichter wählen, die alle zwölf Monate einmal kurz um Aufmerksamkeit buhlen, um danach für den Rest der Legislaturperiode in der Versenkung zu verschwinden? Warum man doch wählen sollte, möchte ich kurz ausführen. Weiterlesen »